Latest / SchichtZulage - der persönliche VW-Podcast mit Mehrwert / Betriebsratswahl bei VW: Was jetzt auf dem Spiel steht
Transcript
- Der Golf muss hierbleiben, das ist eine Aussage, das ist ein Statement. Da kann man sagen, das ist Blödsinn, können wir nicht oder man kann sagen, jawohl, das ist wichtig. Wir sind doch jetzt in einer Situation, da heißt es Hopp oder Top. Also wir machen es in Deutschland oder wir machen es nicht. Und um es in Deutschland zu machen, müssen halt gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Und langfristig, das ist meine große Sorge, schwächen wir hier den Industriestandort Deutschland. Also und damit natürlich auch Wolfsburg und unsere Region. Thomas, wir hatten uns ja vorgenommen, dass wir uns jedes Mal was mitbringen, was uns mit Volkswagen verbindet. Ich habe heute hier ein kleines schwarzes Stück Plastik und das ist der Schaltknauf meines allerersten Autos. Ein VW Typ 3, bekannt auch als VW 1600. Vlieseck war das damals und ich weiß es nicht mehr, ob er war in Mexiko beige oder Sahara beige. Ich hatte danach nämlich einen Jetta und der war auch beige und einer war Mexiko beige, einer Sahara beige. Und vielleicht weiß das einer von euch, die uns zuhören zu sehen, zu welchem Modell dann die Farbe gepasst hat. Also jedenfalls ein kleines schwarzes Stück Plastik, der Schallknopf, das Auto musste damals nach dem Motorbrand auf den Schrott und das habe ich mir aufbewahrt und konnte es bis heute nicht wegwerfen. Das ist irgendwie ein Stück Erinnerung. So wie mit deinen VW-Bussen aus der vergangenen Woche. Nun bist du wieder über den Harz geritten heute. Gestern war ich in Berlin. Berlin war weiß, wir sind weißer. Wie ist der Harz noch weißer vom Schnee? Ja, ich bringe die Kunde ins Flachland. Ski und Rodel gut. Nebeneffekt, man kann leicht abrutschen, ausrutschen, die Fahrbahn verlieren. Das leitet, glaube ich, ganz gut zu unserem heutigen Generalthema über. Da geht es ja um den Betriebsrat und die anstehenden Betriebsratswahlen bei Volkswagen. Und damit herzlich willkommen zur neuen Folge des Videopodcasts Schichtzulage, dem VW-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Neben mir sitzt Thomas Kruse, lang gedienter VW-Experte für die Wolfsburger Nachrichten. Ich bin Andrea Schweiger und berichte viel über Volkswagen für die Braunschweiger Zeitung und ihre Lokalausgaben. Thomas, weißt du noch, du bist ja jetzt 100 Jahre im Geschäft. Deine erste Erinnerung als Journalist, die dich mit VW verbunden hat? Das ist schwierig, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber ich bin ja eingestiegen, als Volkswagen sich in allergrößten Turbulenzen befand. 2006, das war der beginnende Abwehrkampf gegen Wendelin Wiedeking und den Übernahmeversuch durch Porsche und den Kampf um den Erhalt des Volkswagen-Gesetzes. Und da schließt sich eigentlich auch schon der Kreis. Da sind wir ja eigentlich auch schon bei der Mitbestimmung, beim Betriebsrat und bei der Gewerkschaft. Also es war eigentlich diese Existenzbedrohung für eine ganze Region. Wenn Volkswagen Existenzängste verspürt, verspürt das eigentlich das ganze Land. Und das ist mir sehr bewusst geworden damals. Und das hat man dann auch gemerkt in den anschließenden Jahren, dass es da ans Eingemachte ging. Kannst du dich da noch an die riesige Demo in Wolfsburg erinnern? Da waren glaube ich 40.000 Leute, da ging es ja ums VW-Gesetz und war ja im unmittelbaren, zumindest zeitlichen Zusammenhang mit der versuchten Übernahme durch Porsche. Absolut, ich kann mich an, ich glaube es war im Spätsommer 2008, diese formierte ja als Informationsveranstaltung, man hat ja bei Volkswagen seit Jahrzehnten nicht mehr gestreikt und das hieß also Informationsveranstaltung, aber es waren 40.000 Leute vom Verwaltungshof aus. Und da haben sich mir ehrlich gesagt die Nackenhaare gestraubt, weil das war wirklich Pathos pur. Ich kann mich entsinnen, der damalige Vize von Bernd Osterloh, Und Bernd Wehlauer war da der Zeremonienmeister. Und alle 15 Minuten schwenkten Kolonnen von tausenden Mitarbeitern vor das Verwaltungshochhaus. Und am Ende hieß es, das Werk steht. Das war im doppelten Sinne zu sehen. Das Werk stand still. Und die Belegschaft stand hinter Betriebsrat und IG Metall. Ich war damals auch da. Und ich war total geflasht. Das war eine sehr eindrucksvolle Machtdemonstration. Ja, aber auch eine Demonstration von Solidarität. Von Solidarität. Dass Massenbewegungen bewirken können. Das haben wir auch gemerkt. Und ich glaube, die Herrschaften oben im 13. Stock oder wann immer sie getagt haben, die konnten das nicht ignorieren. Das war schon wirklich eine hochemotionale Machtdemonstration. Hat mich beeindruckt. Ja, fand ich auch. Thomas, Betriebsratswahl, du hast das gerade genannt. Das ist jetzt gar nicht mehr lange hin. Im März schlägt die Stunde der Wahrheit. Das ist ja keine Betriebsratswahl wie jede andere. Wie ist deine Einschätzung? Und warum ist sie anders als die anderen Wahlen? Ja, da hast du völlig recht. Das sehe ich auch so. Nicht zu vergleichen mit irgendeiner anderen Betriebsratswahl in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Mandatschaft für eine mitbestimmte Zukunft von zehntausenden Menschen, die hier bei Volkswagen in der Region und auch in ganz Deutschland arbeiten. Es ist eine Richtungswahl. Die Belegschaften müssen entscheiden, ob sie den Kurs, den sie bisher mitgetragen haben, auch künftig mittragen wollen oder ob sie zumindest leichte Änderungen anstreben. Jetzt sind wir ja gewohnt, dass die IG Metall eigentlich mit sehr satten Mehrheiten die Betriebsräte besetzt bei Volkswagen. Nun gab es die Tarifrunde Ende 2024. Das könnte ja einiges verändern. Also meine Wahrnehmung ist, dass die Stimmung sehr angespannt ist in den Standorten und dass die IG Metall mitverantwortlich gemacht wird für die tiefen Einschnitte, die doch auf die Beschäftigten zugekommen sind und zukommen. Der Eindruck ist mit Sicherheit richtig. Also gerade für den Standort Wolfsburg kann man, glaube ich, eine starke Unruhe und auch ein großes Frustpotenzial ausmachen. Das wird andernorts genauso sein, denke ich mal. Und in der Tat ist dieser Tarifabschluss, er ist mit Sicherheit nicht das Weihnachtswunder, als dass es damals deklariert wurde. Er ist auch nicht so schlecht, wie er jetzt vielleicht im Nachhinein gemacht wird. Er ist ein Kompromiss, bei dem auch die Belegschaft federn lassen muss. Und das kommt natürlich nie gut an. Das ist klar, insbesondere nicht bei Volkswagen. Und zwar ungewöhnlich viele Fehler. Das gab es ja bislang oder zumindest seit sehr langem nicht mehr so oder seit Jahrzehnten nicht mehr so, dass die Belegschaft zu solchen Zugeständnissen da... Ein kleiner Ausflug in die Historie der Betriebsratswahlen bei VW. Es ist auffällig, dass große Skandale, die wir so wahrnehmen, beispielsweise den von 2005, 2006, Stichwort Volkert. Nicht dazu geführt haben, dass die IG Metall-Liste bei der anschließenden Wahl abgestraft wurde. Oder abgestraft wird sie immer dann, wenn es ums Geld geht. Und das war zum Beispiel 1994 der Fall, nach Einführung der Viertagewoche. Das macht die Sache heikel für die, ich sag mal, herrschende IG Metall-Liste in den Betriebsräten. Weil sie natürlich letztendlich dafür mit in die Pflicht genommen wird. Jetzt gibt es ja, also es gibt ja nicht nur die Kritik aus Reihen der Belegschaft, das begegnet mir auch immer wieder. Also bis hin zu, das habe ich auch gehört, dass Leute wirklich die Gewerkschaft verlassen haben, weil sie gesagt haben, sie sind so enttäuscht, dass damit hätten sie nicht gerechnet. Nun gibt es sehr viele, speziell in Wolfsburg, sehr viele konkurrierende Listen, sieben Listen dieses Jahr, diesmal bei der Wahl. An anderen Standorten sind es nicht ganz so viele, aber schon neue Player auch. Also im Braunschweig haben wir zum Beispiel erstmals, zumindest im westdeutschen VW-Werken, dass dort Zentrum auftritt. Die bezeichnen sich selber als AfD, aber wir haben neue Player wie die GFT, wir haben aber in Wolfsburg auch und die exportieren ja auch an andere Standorte. Die andere Liste von Frank Patta, das ist ja eine ganz interessante, spannende Konstellation. So spannend wie selten zuvor, würde ich sagen. Und deshalb wünsche ich mir persönlich erst mal, dass es eine deutlich bessere Wahlbeteiligung gibt. Ich meine, es ist wirklich gelebte Demokratie, direkte Demokratie. Wenn du vor Ort deinen Betriebsrat wählen kannst, der künftig deine Geschicke mitbestimmt, wenn es um deine Jobs und so weiter geht. Und das war vor vier Jahren auch so. Da gab es sogar acht Listen in Wolfsburg. Aber die Ausgangslage war eine andere. Es gab eigentlich nicht diese zentralen Themen, die wir seit 2024 haben. Also den sogenannten Tabubruch. In Sachen Tarifverträgen. Und so gesehen hast du völlig recht. Die Ausgangslage ist spannender denn je, weil es auch um inhaltliche Positionen geht. Das ist vielleicht auch ein Unterschied. Es geht nicht nur um Frustwähler, sondern es geht um Leute, die aktiv gestalten können. Will ich diese Politik oder will ich die Politik der IG Metallliste? Und es treten ja, ich nannte eben den Namen Frank Pater in Wolfsburg, da tritt ja durchaus jemanden an mit seiner Liste, die nicht nur von den Kandidaten her sehr groß ist und eine echte Konkurrenz zur IG Metall, sondern Pater mit seiner Historie hat ja sehr viel Erfahrung im operativen Geschäft. Er weiß, wie es geht. Es gibt kaum einen Erfahrenen unter den Kandidaten. Er ist vor vier Jahren auch angetreten. Das Ergebnis war damals eher, würde ich sagen, auch aus seiner Sicht enttäuschend, auch wenn es die Premiere war. Das ist so. Frank Pater kommt aus dem Bauch der Organisation. Sowohl der IG Metall als auch des Betriebsrates. es, der kennt da jeden Flecken im Laden und das ist, würde ich mal sagen, das ist ein gefährlicher Gegner, den muss man ernst nehmen, weil er argumentiert ja auch sachlich, er hat klare Themen positioniert und das Thema Golfverlagung ist ein Thema, das sehr populär ist, glaube ich, anhand dessen man sehr gut argumentieren kann, was schiefläuft und, Und jetzt ist die entscheidende Frage, wer erreicht halt die Nichtwähler? Also ich glaube schon, dass die IG Metall sich weiterhin relativ gut auf ihren Stamm der Wähler verlassen kann. Aber bei 50 plus Wahlbeteiligung ist natürlich viel Luft nach oben bei den bisherigen Nichtwählern. So war es ja bei der letzten Wahl, glaube ich. So ungefähr 50 Prozent. Und je geringer die Wahlbeteiligung ist, desto höher sind die Chancen wahrscheinlich für die Protestwähler. Das denke ich schon. Ja, also die vergangene Wahl vor vier Jahren, die war ja unter besonderen Voraussetzungen, Corona-Bestimmungen, hohe Briefwallergebnisse. Diesmal ist es eine normale Wahl in Anführungszeichen. Das heißt, es wird Wahlkampf geführt im Werk, möglicherweise auch außerhalb des Werkes, dank uns. Und ich bin da sehr gespannt, weil am Ende werden die besseren Positionen den Ausschlag geben. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und entscheidend ist halt eben auch, dass man jetzt fair miteinander umgeht. Das steht in der Präambel der EG Metall an erster Stelle zum Kampagnenauftakt. Daran wird man sie messen müssen. Ja, und ansonsten sind wir alle sehr, sehr gespannt, würde ich sagen. Ja, ich denke aber, es ist auch eine Chance durch die Dichte der konkurrierenden Listen. zumindest in Wolfsburg, das Profil zu schärfen, auch für die IG Metall ja durchaus. Und ich meine, sie hat ja in der Vergangenheit, das muss man ja auch sagen, es gab ja nicht nur diesen wirklich fast schon historischen Abschluss 24 mit den wirklich deutlichen Abschnitten. Davor gab es ja sehr fette Jahrzehnte auch aus Sicht der Beschäftigten mit vielen Errungenschaften. Und nicht selten hat ja die IG Metall mit Volkswagen, weil Volkswagen tarifpolitische Meilensteine gesetzt. Absolut. Das ist eine historische Entwicklung, die wir eigentlich seit dem Kriegsende erleben. Angefangen bei Hugo Borg und Heinrich Nordhoff, die auf eine ganz besondere Art ein Co-Management schon gefunden und erfunden haben, auf einer ganz anderen qualitativen Ebene als heutzutage. Aber das Co-Management ist ja ein zentraler Punkt, wenn man die Betriebsarbeit und Gewerkschaftsarbeit bei VW sich anschaut. Und ich persönlich bin ein Freund des Co-Management, muss ich ganz ehrlich sagen. Weil den Ausgleich zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Jobsicherung kannst du im Grunde nur erreichen, wenn du wirklich auf Augenhöhe und kreativ und konstruktiv miteinander umgehst. Das ist der Punkt. Die Gefahren des Co-Management liegen woanders, finde ich. Aber Gefahren gibt es ja immer. Also es gibt ja immer Licht und Schatten, egal bei welchem Modell. Ich denke nur, dass jetzt die Chance besteht, sich argumentativ nochmal zu schärfen, vielleicht auch die eigene Position zu hinterfragen und dadurch auch nochmal sich zu schärfen auf allen Seiten, damit das bestmögliche Ergebnis erzielt werden kann, aus Sicht der Beschäftigten natürlich. Du hast ja völlig recht. Ich meine, die Volkswagen-Welt ist eine besondere Welt. Das gilt auch für die Tarifpolitik. Der Haustarif 1, der ist jetzt beerdigt worden. Sicherlich auch eine historische Stunde, aber von Anbeginn an... Hat es ja übertarifliche Löhne gegeben, exzellente Sozialbedingungen. Bernd Osterloh hat ja mal das Wort vom betreuten Arbeiten geprägt. Das finde ich eigentlich sehr gut, muss ich sagen. Das muss man ja auch nicht unbedingt negativ interpretieren. Das ist so und das wird sicherlich nicht so bleiben in dieser Form. Da bin ich mir auch ziemlich sicher. Ja, ich denke auch, es wird eine ganz große Herausforderung sein. Egal, wahrscheinlich wird es ja die IG Metall werden, davon gehe ich aus. Wenn auch mit Einbußen zu rechnen ist, davon gehe ich auch aus. Egal für wen, es wird ja auch die große Herausforderung sein, den Beschäftigten zu erklären, dass die Welt sich weiter gedreht hat und dass halt nicht mehr Tarifpolitik wie vor 20 Jahren gemacht werden kann, sondern muss man alles gar nicht nennen. Also geopolitische Veränderungen, USA, China und so weiter, neue Wettbewerber, Preisdruck, neue Techniken, Transformationen, 100.000 Themen, die ja zu einer neuen Bewertung der Situation kommen. Und das ist natürlich eine sehr schwere Aufgabe, das einer Belegschaft zu vermitteln, die eigentlich so konditioniert ist, dass es nur Verbesserungen gibt, ja. Das war ja auch oder ist auch einer der zentralen Kritikpunkte der Opposition. Da geht es ja um die Vermittlung, um die Transparenz des Ergebnisses und zwar nicht im Nachhinein, wenn sozusagen das Kind im Brunnen gefallen ist, sondern im Vorfeld alle einzubeziehen, die man einbeziehen kann. Und dazu zählen natürlich auch jene Betriebsräte, die nicht der IG Metall-Liste angehören. Also je größer der Konsens im Vorfeld ist, desto besser kannst du einen Tarifvertrag erkämpfen, finde ich. Also den Kritikpunkt muss die IG Metall sicherlich aufnehmen und reflektieren. Sie muss sich da bewegen, sie kann nicht mehr auf dem hohen Ross sitzen nach dem Motto, wir machen das jetzt. Das ist übrigens der Punkt, den ich beim Co-Management für wirklich gefährlich halte, dass man in der Belegschaft denkt, na die da oben, die Osterlos und die Volkerts und die Gavallos, die machen das schon für uns und so ein paar andere Spitzenkräfte und wir freuen uns darauf, dass wir gute Tarifabschlüsse haben. Das ist die Gefahr für die innere Struktur des Betriebsrates und auch der Gewerkschaftsarbeit. Es ist aber so ein grundsätzliches Ding, finde ich, dass wir mehr und mehr dahin kommen, dass die Menschen so ein Konsumverhalten annehmen, auch bei politischen Entscheidungen und auch bei der eigenen Rolle des Wählens, des Gestaltens, des eigenen Lebens und so weiter, dass das oft delegiert wird, so wie du es eben beschrieben hast. Das aber natürlich, das nach meinem Verständnis auch so sein müsste, dass sich jeder sein eigenes Bild macht, um wirklich mitreden zu können, um dann auch die entsprechende Entscheidung bei der Wahl zu treffen. Und nicht nur so in der Position des auch Politikkonsumenten, sagen wir es mal so, zu sein, der dann konfrontiert wird mit dem, was erzielt wurde, ohne dass er sich selbst einbringen muss. Bin ich zu wenig. Ja, da hast du völlig recht. Das ist eben so Betriebsratarbeit und Gewerkschaftsarbeit spiegelt natürlich den Zeitgeist. Das ist völlig klar. Und konstruktiv kritische Mitarbeit muss im Betrieb anfangen, in den Abteilungen. Es sind jetzt gegenteilige Maßnahmen durchgesetzt worden, die mich sehr ärgern, muss ich sagen, sogar wütend machen. Es gab diese Teamsprecherrunden bei VW, sozusagen Basisdemokratie auf unterster Ebene, dass man in den jeweiligen Teams Erfordernisse durchgesprochen hat. Die sind abgeschafft worden. Das hätte ich als Gewerkschaft oder als Betriebsrat, das ist ja eine Betriebsvereinbarung wahrscheinlich, hätte ich nicht mitgemacht. Weil das ist eine Errungenschaft aus den frühen 2000er Jahren. Die hat man jetzt geopfert unter vielen anderen. Das hat jetzt nichts direkt mit Entgelt und dergleichen zu tun. Da geht es darum, um innerbetriebliche Demokratie, um Mitbestimmung und Mitspracherecht. Und das finde ich eigentlich schade als Ergebnis dieser Tarifverhandlung. Kannst du dich eigentlich daran erinnern, du hast ja auch eine riesige Erfahrung, gab es schon mal eine Betriebsratswahl, bei der sich wie bei dieser jetzt verschiedene Listen zusammentun, um anzutreten und zu sagen, wir wollen die IG Metall stürzen. Das ist ja sehr selbstbewusst, gerade vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Dominanz der IG Metall. Und nun machen sich da drei Listen auf und sagen, ganz klar, wir wollen den Kurswechsel, wir wollen neue Gesichter sehen. Kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern, das war auch nicht so. Also ich blicke mal zurück bis 2005, 2006. In dieser Konsequenz hat es das nicht gegeben. Und das ist ja auch ein Zeichen an die IG Metall. Es gibt zwar verschiedene Listen, aber eins eint uns. Und das ist, wir wollen mehr Mitspracherecht. Wir wollen informiert werden im Vorfeld. Und wir wollen auch mitdiskutieren, was dann letztendlich passiert. Das ist eine ganz andere Geschichte. Und wenn wir uns an die vergangene Wahl erinnern, da war es schon so, dass da zwar acht Listen angetreten sind insgesamt. Aber programmatisch war das eigentlich nicht so geschärft, wie wir es heute erleben. Also wenn ich die Forderung von Patta sehe, der Golf muss hier bleiben, das ist eine Aussage, das ist ein Statement. Da kann man sagen, das ist Blödsinn, können wir nicht. Oder man kann sagen, jawohl, das ist wichtig. Und das ist natürlich anders als in den Vorjahren, würde ich mal anschließen. Und das ist ja nicht nur ein rein betriebswirtschaftliches Thema, sondern es ist ja auch emotional sehr besetzt. Also welches Auto außer der Käfer steht für Wolfsburg wie der Golf und für die ganze Region hier? Also wir leben ja alle vom Golf. Also wenn diese Entscheidung exekutiert wird, dann ist das für mich ein klares Signal, dass Wolfsburg nicht so bleibt, wie es mal war. Also sicherlich kann man argumentieren, das muss jetzt so passieren, weil wir ja auch die Produktion umbauen wollen. Da komme ich aber gleichzeitig wieder auf entscheidende Weichenstellungen. Hätten wir die neue Fabrik in Warmenau, die damals unter dem Label Trinity fungierte, hätten wir sie heute und hätten wir nicht das Projekt Trinity, sondern ein Budgetcar beispielsweise im Sinne eines Modells Auto 5000 meinetwegen. Dann sähe die Welt anders aus. Dann sähe die Welt anders aus, aber auch das wäre verbunden mit einer sehr unpopulären Entscheidung. Du hast eben gesagt, das Modell 5000, also das heißt ja auch möglicherweise ein anderes Tarifmodell. Das muss man ja erstmal verklickern. Ja, aber man hätte es kreativ gestalten können. Die Ausgangslage war ja Anfang der 2000er auch nicht anders. Das ist eigentlich immer latente Krise bei VW, mal mehr, mal weniger. Und kreative Lösungsmodelle sind natürlich geboten in diesen Zeiten. Man kann natürlich immer mehr Geld investieren durch Abfindungen und Altersteilzeitregelungen und dergleichen mehr, um Personal abzubauen. Aber ich finde das jetzt nicht überaus kreativ und pfiffig, muss ich sagen. Aber das wäre ja nochmal eine Frage an unsere Zuhörerinnen auch und Zuhörer und Zuschauerinnen und Zuschauer. Wie seht ihr das? Also wer ist das wert, sozusagen die Tarifstruktur zu ändern, wenn man dadurch Produkte und Arbeit in Deutschland halten würde? Denn zur Wahrheit gehören ja auch die neuen Modelle, die jetzt kommen, der Marke VW, der ID Polo und nächstes Jahr, da gibt es ja noch keinen richtigen Namen, ich vermute immer, dass der ID abheißen wird oder könnte. Die werden nicht in Deutschland gebaut, weil es wohl zu teuer ist, so argumentiert das Unternehmen. Also, wärt ihr bereit, da Abstriche hinzunehmen oder ein neues Tarifsystem zu befürworten mit der Zusage, die Autos werden in Deutschland gebaut? Lasst uns bitte eure Kommentare da. Ja, da bin ich auch sehr gespannt, muss ich sagen. Ja. Also es kommt ja so oder so, gibt es ja Änderungen. Es ist ja vereinbart, dass wenn der Golf weggeht und wenn die Halle 54 umgebaut wird, dann wird es ein tarifliches Vorsorgepaket geben, dass man die Arbeitszeit runterfährt. Das heißt, man bewegt sich ohnehin. Und deshalb hätte ich es spannend gefunden, wenn die Fabrik gebaut worden wäre. Nicht unter dem Diktum dann eine autonom fahrende Limousine zu bauen. Das habe ich von Anfang an für ein ziemlich waghalsiges Projekt gehalten. Da war es ja auch technisch überhaupt noch nicht. Ja, das kommt noch hinzu. Sondern ein bezahlbares Auto unter bestimmten Arbeitsbedingungen, die wir hier sonst nicht vorfinden. Die ja auch nicht schlecht wären, das muss man ja auch mal sagen. Also das Projekt Auto 5000 hatte natürlich im Grunde evolutionäre Ansätze. Klar, das hätte man mit einer Haustarifbelegschaft so nicht machen können. Das ist auch völlig klar. Und ich möchte auch niemandem was wegnehmen von seinen Besitzständen. Aber klar ist auch, dass man solche Sachen natürlich ausprobieren muss. Aber wir sind doch jetzt in einer Situation, da heißt es hopp oder top. Also wir machen es in Deutschland oder wir machen es nicht. Und um es in Deutschland zu machen, müssen halt gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Aber ist dieses Bewusstsein, ich meine, du predigst das ja auch gebetsmühlenartig in deinen Kommentaren, ist dieses Bewusstsein wirklich gerade in unserer Region vorhanden? Das glaube ich nicht. Nee, das glaube ich auch nicht. Das beobacht ich. Aber das gehört ja, da sind wir wieder bei dem, was wir eben besprochen haben, das gehört für mich schon dazu, sich auch mit diesen Fragen mal auseinanderzusetzen. Also statt zuzuschauen, dass wir immer mehr Produktion aus Deutschland verlieren, Modelle verlieren, damit geht ja auch Know-how flöten, die neuen Autos werden an anderen Standorten gebaut und langfristig, das ist meine große Sorge, schwächen wir hier den Industriestandort Deutschland. Also und damit natürlich auch Wolfsburg und unsere Region. Also wer ist so abhängig vom Auto, außer die Stuttgarter vielleicht? Das ist so, das stimmt. Die Perspektiven sind, da ist sehr viel Hoffnung dabei. 2030 wird dann alles gut, wenn hier die Produktion umgebaut ist, wenn der E-Golf hier läuft und der E-T-Rock. Aber ich bin davon nicht überzeugt, dass es tatsächlich so kommt. Ich meine, bis dahin haben wir viel Luft noch zeitlich und es kann auch sehr viel passieren. Wer weiß, wie das Verhältnis zwischen Mexiko, wo der Golf dann künftig gebaut werden soll und den USA sich entwickelt, das weiß man alles nicht. Und da sind so viele Fragezeichen, dass wir hier erstmal wirklich unsere Hausaufgaben machen müssen. Und es ist ja eine große Lücke, also wenn der Golf Ende 27 abgezogen wird, der E-Golf wird nicht vor 28, 29, 30 kommen. Später, später. Ja, 30 wahrscheinlich ist jetzt im Gespräch. Diese Lücke muss ich ja erstmal füllen. Also was passiert in dieser Zeit, das macht mir auch Sorge. Wie bewertest du denn? Also wir waren ja gerade beim Thema Golf und zum Beispiel Frank Patta mit seiner Liste macht sich ja ganz stark dafür, dass der Golf in Wolfsburg bleibt. Ist das realistisch aus deiner Sicht? Hat das noch eine Chance, da den Turnaround zu erzwingen? Gut, das hängt jetzt natürlich vom Wahlergebnis ab. Wenn es da deutliche Bewegungen gibt und es entsprechende Kommunikationen gibt. Aber ich halte das grundsätzlich, ist die Entscheidung gefallen. Ich glaube nicht, dass sie rückgängig gemacht wird. Und man hat jetzt ja auch nicht mehr so viel Zeit, um da rumzudoktern. Also wenn der Umbau beginnt, das ist ja auch ein Mammutvorhaben, die neue SSP-Plattform implementiert werden muss in die bestehende Produktion. Und dann ist 2030 ganz schnell vor der Tür. Da sind sehr viele Nebenwirkungen und Risiken dabei, die man so, glaube ich, noch gar nicht abschätzen kann. Ich finde den Ansatz von Frank Patta richtig, das zu thematisieren. Und man sollte auch darauf dringen, dass man dann natürlich ein festes Übergangsszenario hat, das ist ja vorgezeichnet, und dass man die Modelle bekommt, die avisiert sind. Das hängt aber davon ab, dass man auch die Finanzziele erreicht. Genau, dass die Kostenziele erreicht werden. Also Fragezeichen. Fragezeichen. Ich persönlich finde es schade, dass der Golf verschwindet, weil er ist wirklich, ich meine nicht von ungefähr Wolfsburg, Wolfsburg und dergleichen mehr. Das ist ein identitätsstiftendes Auto, da haben jetzt Generationen von Menschen hier dran gearbeitet. Das wird ein Cut und der muss natürlich emotional, muss sozusagen ein Pflaster drüber gelegt werden. Ja klar, natürlich. Und das fehlt mir ehrlich gesagt auch ein bisschen in den ganzen Diskussionen, auch beim amtierenden Betriebsrat. da fehlt mir ein bisschen das Pathos und der Wirtschaftspatriotismus. Ich glaube, den braucht man in diesen Zeiten, um seine Produkte auch wirklich in den Heimatmärkten gut zu verkaufen, was ja noch der Fall ist bei VW. Also ein bisschen mehr Herzschmerz und Gefühl täte da, glaube ich, in den Diskussionen schon gut. Und nicht nur der sicherlich messerscharfen Logik von Herrn Antlitz, dem Finanzchef im Vorstand, zu folgen. Wobei er natürlich auch harte Argumente hat auf seiner Seite. Man muss ja wissen, dass Arno Antlitz natürlich auch für das Nordamerikageschäft verantwortlich ist, neben seinem eigentlichen Ressort. Und der ist natürlich bemüht, das Geschäft anzukurbeln. Zumindest die Werke in Mexiko und in Chattanooga besser auszulasten. Das ist eine offene Rechnung. Also er hat schon Argumente, gar keine Frage. Aber es gibt auch Gegenargumente, finde ich. Ja, natürlich. Klar. Thomas, du machst dich gleich wieder auf den Weg, setzt dich in dein Auto und fährst über die rutschigen, schlüpfrigen, glitschigen Straßen des Harzes gen Heimat. Worüber reden wir denn nächste Woche? Da gibt es ja eigentlich nur ein logisches Thema, das ist der Golf, oder was meinst du? Ja, jetzt haben wir ja gerade damit angefangen mit dem Golf. Das Brot-und-Butter-Auto interessiert uns natürlich auch eure Meinung. Was verbindet euch mit dem Golf? welche tollen Erinnerungen habt ihr mit dem Auto oder nicht so schönen Erinnerungen, welche Bedeutung hat das Auto für die Region nach eurer Einschätzung, gibt es Ersatz, kann es überhaupt Ersatz geben, das interessiert uns. Bitte lasst uns eure Kommentare da, würde uns sehr freuen. Und wir sagen, eine schöne Woche und wir freuen uns auf euch. Und bitte, wenn Rutschen, dann einen guten Rutsch. Also bis in einer Woche. Das war unser aktuelles Video. Wenn ihr mehr spannende Geschichten und Reportagen der Braunschweiger Zeitung sehen wollt, klickt einfach hier und hier. Mehr gibt's auf dem YouTube-Kanal. Abonnieren nicht vergessen, um nichts mehr zu verpassen.