Latest / SchichtZulage - der persönliche VW-Podcast mit Mehrwert / VW, VfL, Wolfsburg - die Verachteten
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- Ich wünsche mir, dass das eine Modellregion wird, die wirklich vernetzte Mobilität lebt und nicht nur predigt irgendwo an anderen Orten, dass man das erfahren kann, erleben kann, dass die Leute sagen, komm, die haben es gebacken bekommen. Wolfsburg als großer Showroom im Prinzip, wo neueste Techniken gezeigt werden. Also wir sollten von unserem ureigensten Thema der Mobilität, die sollten wir hier wirklich mal neu denken und auch zeigen. Herr Thomas, ich habe ja seit unserem letzten Zusammentreffen hier tatsächlich mal gestöbert und geschmökert in den ganzen Kommentaren bei YouTube zu unseren Folgen. Und da habe ich ja festgestellt, es gibt schon so einen Zirkel, die sehr zu Wolfsburg, VW und VfL stehen. Aber es gibt viel, viel, viel Kritik und Ablehnung. Und ich frage mich, warum haben es alle drei so schwer, also die Stadt Wolfsburg, der VfL Wolfsburg und auch das Unternehmen VW, warum haben die es so schwer Anerkennung zu finden? Ganz kurz, mein Name ist Andreas, ich bin Wirtschaftsredakteur bei der Braunschweiger Zeitung und wir sprechen hier regelmäßig über die Entwicklung von Volkswagen. Mein Name ist Thomas, ich war lange VW-Reporter für die Braunschweiger Zeitung und Wolfsburger Nachrichten. Ja, Andreas, du bist Wolfsburger. Fühlst du dich angepinkelt durch diese ganzen Diskussionen, die geführt werden über den Status von Wolfsburg, VfL, Volkswagen? Du bist ja nun Original-Wolfsburger. Ich meine, schön ist das ja eigentlich nicht, oder? Nee, schön ist das nicht, aber ich muss sagen, ich wohne ja lange nicht mehr in Wolfsburg, aber bin nach wie vor bekennender Wolfsburger durchaus und bin ja sozusagen in dem Bewusstsein groß geworden, aufgewachsen, als Kind war mir das wurscht. Und das war dann so im Teenie-Alter anders, auch als man dann mal nach Braunschweig gefahren ist oder so, immer belächelt und nicht ernst genommen zu werden. Und da muss ich sagen, ist mir über die ganzen Jahrzehnte doch ein sehr dickes Fell gewachsen, sodass es mir eigentlich wurscht ist. Und ich auch, ich kenne das ja hier auch aus dem Kollegenkreis in Braunschweig, dass da mal gefrotzelt wird, war früher schlimmer als heute. Wie gesagt, da ist mir ein dickes Fell gewachsen. Aber ich frage mich, warum? Also warum haben die es so schwierig, so schwer? Sind die Wolfsburger vielleicht die Neureichen der Bundesrepublik? Also man kennt das ja aus, wenn man das mal in der Nachbarschaft erlebt hat, dass sich da plötzlich Leute breit machen, die Erfolg haben, Geld haben und man selbst ist doch irgendwie eine kleine Wurst mehr oder minder geblieben. Ist das so ein bisschen dieser Effekt, so Gesamtgesellschaft? Vielleicht ist das ein bisschen der Effekt, aber es war ja nicht von Anfang an so und alles was in Wolfsburg entstanden ist, ist ja nun auch wirklich hart erarbeitet worden. Das ist ja nicht vom Himmel gefallen und war kein Geschenk, sondern ist ja das Ergebnis harter Arbeit und vieler Entbehrungen auch. Ja, es gibt ja da auch interessante Untersuchungen. Es gibt ja durchaus vergleichbare Städte, also eine Hüttenstadt in der DDR, also eine Stadt, die extra gegründet worden ist, um sozusagen den Beschäftigten eines Industrieunternehmens auch Wohnraum und Lebensqualität zu bieten. Das ist ja ein bisschen im Falle Wolfsburg auch so. Aber meine Wahrnehmung ist auch so. Also die Stadt, das Unternehmen, der Fußballverein, alles wird so mit so einer gewissen Skepsis betrachtet. So als seien die Herablassung. Ja, Herablassung, genau. Also ich meine, manchmal Arroganz, arrogantes Auftreten kann ja diese Haltung auch hervorzaubern. Aber ihr Wolfsburger seid eigentlich gar nicht arrogant, oder? Ja, also es gibt schon, mittlerweile ist auch eine gewisse Arroganz gewachsen. Das will ich gar nicht absprechen. Aber so, wie ich aufgewachsen bin und das kennengelernt habe, erlebt habe, nein. Sonst müssen ja jetzt auch alle viel kleiner Brötchen backen, wo es dem großen Arbeitgeber doch schlechter geht und wo die Verhältnisse nicht mehr so sind, wie sie mal waren. Ja, vielleicht hat das auch mit Neid zu tun, habe ich mich auch schon gefragt. Wolfsburg ist nun sehr wohlhabend, hat viel, was andere Städte nicht haben. Vielleicht ist es auch Neid, keine Ahnung. Komischerweise gab es diese Vorbehalte schon in den späten 50er, Anfang der 60er Jahre. Da gibt es ja schöne Reportagen in großen Magazinen, wo diese sich entwickelnde Stadtgesellschaft in Wolfsburg so ein bisschen auf den Kicker genommen wird. Also diese, eigentlich eine Klassengesellschaft, die sich da aufgebaut hat, vom leitenden Angestellten bis zum Arbeiter runter. Ist es das auch ein bisschen so, dass man das in anderen Städten eben gar nicht so kennt, dass alles von einem Unternehmen abhängt? Naja, das ist, natürlich ist Wolfsburg da ein Sonderfall, keine Frage. Es ist sicherlich auch, dass in anderen Städten ein anderer Lokalpatriotismus da ist. Da meine ich aber, dass in Wolfsburg ein starkes Selbstbewusstsein gewachsen ist jetzt im Laufe der Jahrzehnte, war früher anders. Aber natürlich hat eine Stadt wie Wolfsburg nicht die Geschichte und auch nicht das Bürgertum und uralteingesessene Familien wie in anderen Städten und Regionen. Das wird sicherlich alles eine Rolle spielen. Was gab es denn jetzt für Reaktionen auf unsere Folgen, die wir bisher... Naja, das ist sehr, also wie gesagt, es gibt so einen Kern von Leuten durchaus mit rührenden Geschichten, die erzählt haben oder erzählen, dass sie seit Jahrzehnten auch zum VfL gehen, was mich persönlich sehr freut, weil ich ja auch so einer bin. Und es gibt aber viel auch so wirklich, also zum Beispiel war ein Beitrag, war bitte ein zweites Bayer Oerdingen, weg damit. Ja, warum? Also warum kann man das nicht ertragen, dass es neben dem eigenen Verein oder der eigenen Vereinskultur meinetwegen auch Vereine gibt wie Wolfsburg und ich sehe, das haben wir schon mal drüber gesprochen. Sehe das nicht so retortenhaft wie bei anderen auch. Ja, also Stadt, Unternehmen, Vereine haben alle dieselben Wurzeln, kommen alle aus derselben Gründungszeit und waren von Anfang an alle sehr eng miteinander verwoben. Das weiß nur kaum jemand. Ja, und eigentlich ist das Unternehmen und damit ja irgendwo auch die Stadt ja auch tief in der Region verwurzelt. Also ich meine, das Vorwerk war in Braunschweig, Salzgitter war wichtig immer. Also eigentlich überrascht mich das auch, dass diese Häme, das kann man ja gerade im Augenblick am Beispiel des Fußballvereins erleben. Das ist ja wirklich, das ist ja mit einer Hochnäsigkeit und einer Arroganz wird das ja teilweise vorgetragen, dass man sich wundert, was soll das eigentlich? Ja und schlimmer noch, also richtig mit Hass auch. Da gibt es zum Teil wirklich sehr bitterböse Kommentare, auch auf anderen Plattformen. Also und das, das finde ich schon, das gibt mir schon zu denken. Also es geht ja oft auch um die Qualität der Stadt Wolfsburg und dann, wenn man an Qualität denkt, denkt man an die Innenstädte. Das ist sicherlich immer ein Problem gewesen, hier so einen bürgerlichen Stadtkern zu definieren in Wolfsburg, oder? Also hat sich vieles in den Neubausiedlungen abgespielt, oder? Ja, aber nein, nein oder jein. Also klar hat sich viel in den Neubauvierteln abgespielt. Ich habe die Innenstadt Wolfsburg deutlich, also in meiner Kindheit, Jugend, jungen Erwachsenenalter durchaus als sehr lebhaft in Erinnerung. Da gab es wie in anderen Städten auch inhabergeführten Handel. Es waren viele Menschen auf den Straßen. Es gab in den 70er Jahren den Umbau zur Fußgängerzone. Da war da eine ganze Menge los. Und ich habe das als sehr gut. Ich bin da aufgewachsen, habe natürlich nicht den Blick von außen gehabt, kam nicht aus einer organisch gewachsenen Stadt. Aber ich habe das immer als sehr angenehm empfunden und mag auch diese alten Fotos, die es ja zu sehen gibt, die rühren mich geradezu an, weil ich denke, wie lebendig war mal diese Stadt. Und wenn ich heute, da haben wir schon mal drüber gesprochen, durch die Porsche Straße gehe, das finde ich schon gruselig auch. Und ich finde, da hat man irgendwie den Charakter der Stadt. Auch zerstört. Das ist ja alles so in einer Epoche entstanden und war dann schon in gewisser Weise aus einem Guss natürlich sehr geprägt, auch von einer Epoche, aber für mich irgendwie auch authentisch. So wie wir jetzt durchs Magniviertel gehen in Braunschweig und das als angenehm empfinden. Hat natürlich Wolfsburg nie die Atmosphäre einer uralten gewachsenen Stadt, aber diesen besonderen Charme hätte man vielleicht erhalten sollen. Ja, ich habe ja in Wolfsburg als Redakteur in Wolfsburg auch oft mit alten Wolfsburgerinnen und Wolfsburgern gesprochen und habe genau dieses Empfinden, dass das eigentlich eine spannende Zeit war in 50er, 60er, 70er bis in die 80er Jahre hinein. Und irgendwie hat man aber jetzt ja das Gefühl, das hat sich ein bisschen gedreht. Das ist auch so ein bisschen so eine Angeberstadt, die sich da ein Kunstmuseum hinstellt, ein Phäno und dies und das, alles was aber organisch so gar nicht in so eine Stadt vielleicht hineingehört. Hast du da aus deiner persönlichen Erfahrung einen Zeitpunkt, wo du sagen würdest, irgendwann ist das in den 90ern oder 2000ern irgendwie anders geworden in dieser Stadt hier? Ja, dazu lebe ich schon so lange nicht mehr in Wolfsburg, als dass ich da einen exakten Zeitpunkt definieren könnte. Ich empfinde das auch gar nicht so als Angeberstadt. Also man sollte sich doch eher freuen, wenn eine Stadt dieser Größe über wirklich ein renommiertes Kunstmuseum verfügt. Es gab doch früher schon als Kompensation zum Golfgeschäft mit der DDR den Bau des Planetariums in Wolfsburg, hat auch nicht jede Stadt. Es gab in den 50er Jahren das Geschenk des Werks an die Stadt in Form des VW-Bads, was ja bis heute wunderschön ist, der großen Badeanstalt und so. Ich finde nicht, dass das Angebertum ist, sondern das ist einfach Zeugnis dieser besonderen Verbundenheit von Stadt und Werk. Also das lässt sich ja nicht wegleugnen und ich weiß auch nicht, was daran schlimm sein sollte. Ja, also die Braunschweiger sind ja auch stolz auf ihre alten Unternehmen und die sind auch zu Recht stolz oder in anderen Städten ist man zu Recht stolz auf große Arbeitgeber, die dort seit Jahrzehnten heimisch sind. Warum soll das nicht in Wolfsburg so sein? Ja, das ist ja das Thema Stolz. Das ist ja wirklich ein spannender Aspekt. Also ich kann mich entsinnen. Nach dem Studium hatte ich ein Praktikum im Werk, ein ganz interessantes, habe ich glaube ich auch schon mal erzählt, dieses Buchprojekt, was sich dann auch ein bisschen ausgeweitet hat. Und da waren natürlich auch…. Große Journalisten und Buchmacher aus Städten wie München und Hamburg. Und das ist ein ganz starker Eindruck, wie die sich mockiert haben über Wolfsburg. Was ich damals schon ziemlich unverschämt fand, weil die haben Heidengeld dank Volkswagen für dieses Projekt verdient, aber sich auch lustig gemacht haben über die Stadt. Und das ist, ich weiß auch nicht, wie sich das verselbstständigt, dass einem das überall eigentlich begegnet. Aber diesen Ansatz finde ich einfach unfair. Du kannst das nicht vergleichen. Du kannst Wolfsburg nicht mit anderen Städten gewachsenen, historisch über viele Jahrhunderte gewachsenen Städten dieser Größe vergleichen. Das ist das Leverkusen des Nordens, oder wie würdest du Wolfsburg bezeichnen? Ja, durchaus, klar. Aber Fairness gibt es da irgendwie auch in den Kommentaren nicht, oder? Das ist irgendwie immer alles pro oder kontra. Also die Fairness gibt es, genau. Es ist überwiegend schwarz oder weiß. Heißt Wolfsburg, Volkswagen, VfL müssen Erfolg haben, um es den Leuten zu zeigen, dass sie eine Existenzberechtigung haben? Ja, so ungefähr, genau. Und wenn Volkswagen nichts macht, geht alles unter. Darin ist ja sogar was dran. Aber das rührt halt auch aus der Historie her, aus der gemeinsamen Entstehungszeit, aus dieser Verbundenheit. Ich sage immer, früher sind die Dörfer und Städte um die Kirchen gebaut worden. Bei Wolfsburg wurde die Stadt um die Fabrik herum gebaut. Das kann man alles nicht schön finden, aber es ist nun mal ein historischer Fakt. Naja, vor allen Dingen, die Stadt kann sich ja nicht neu erfinden, solange Volkswagen noch weiterhin dieser zentrale Arbeitgeber ist. Ich meine, Städte wie Detroit oder Birmingham in England, die haben ja das Schicksal alle erlitten, mussten sich dann neu erfinden, aber auch erst nachdem sozusagen die Industrie, die sie groß gemacht hat, kaputt war. Was wir alle nicht hoffen wollen. Ja, und man muss sich doch mal ehrlich machen. Also sollte VW wirklich in eine existenzielle Krise rutschen, dann würden auch in Braunschweig die Lichter ausgehen. Also hinterher wissen, würden sie dann alle wissen, was sie an uns, sage ich jetzt mal, gehabt haben. Ja, und dann würde auch Hannover ein Problem haben und Salzgitter hätte sowieso ein Riesenproblem. Aber Salzgitter ist ja eher von der Historie her vergleichbar mit Wolfsburg. Also Kassel hätte ein Problem, Emden hätte ein Problem und, und, und, und. Also wie gesagt, da muss man sich auch mal ehrlich machen. Also gehen wir vielleicht auch alle etwas zu kritisch auch mit Volkswagen um? Oder ist es schwer, dass das als normales Unternehmen das Höhen, Tiefen, Skandale, Erfolge hat? Erwarten wir alle ein bisschen zu viel vielleicht von Volkswagen, auch in gesellschaftlicher Hinsicht? Also die Frage kann ich persönlich schwer beantworten, weil ich immer aus der Brille des Journalisten gucke. Und da bin ich ja, da bin ich genauso wie du, da ist man ja immer grundskeptisch und grundkritisch. Das ist ja auch unsere Aufgabe, unser Job. Wenn du sagst, erwarte ich zu viel von VW, da muss ich sagen... Was mich stört, ist manchmal das, was mir begegnet von Leuten, die bei VW arbeiten, die den Anspruch haben, dort quasi voll und rundum versorgt zu werden. Das finde ich ist eine grundverkehrte Haltung und das würde ich sagen, das kann man nicht von einem Arbeitgeber erwarten. Ab so einer bestimmten Fallhöhe in der VW-Hierarchie hört man ja auch immer wieder, Mensch, dieses Wolfsburg, ich bin zwar bei VW, aber dieses Wolfsburg hier, das ist ja unter aller Kanone, eigentlich müsste die Konzernzentrale in Berlin sein. Das sind ja so alte Sprüche, die man immer wieder hört, so ein gewisser Dünkel aus dem eigenen Hause. Das kontrastiert dann mit dem, was die Leute, die hier in Wolfsburg groß geworden sind, was die von ihrem Unternehmen und von ihrer Stadt eigentlich halten. Ja, absolut, klar. Und ich habe das ja gesagt, in den letzten Jahrzehnten ist da schon in Teilen der Bevölkerung Wolfsburgs, da ist schon was gewachsen, da bekennt man sich zur Stadt, man ist auch stolz drauf. Aber von außen, wir haben das eben thematisiert, ist das halt sehr schwierig, ernst genommen zu werden. Müsste jetzt nicht eigentlich sich Wolfsburg, das ist ja immer so wieder das Thema in Wolfsburg gewesen, auch bei Volkswagen, man muss sich so alle 10, 20, 30 Jahre mal wieder neu erfinden, da muss was Neues dazukommen. Den letzten Schub haben wir so Jahrtausendwende erlebt mit allen, was wir jetzt heute, von dem wir heute profitieren, Autostadt dergleichen mehr. Da passiert auch zu wenig in Sachen neuer Mobilität hier vor Ort. Also man erlebt das, wenn man Glück hat, vielleicht in einer Großstadt mit Moja und was weiß ich und Fahrdiensten und autonom fahrenden Autos. Hier erlebt man ja im Prinzip wenig bis gar nichts. Ja, das ist ein wichtiger Aspekt, finde ich. Und da hast du durchaus recht. Also da, finde ich, vergibt sich die Stadt auch was. Zum Beispiel, wenn es ums autonome Fahren geht, warum sollte es da nicht die ersten ernstzunehmenden Teststrecken in und rund um Wolfsburg gehen? Zum Beispiel inklusive deiner Heimatstadt Ringelheim, die direkt angeschlossen wäre an Braunschweig und Wolfsburg. Ja, mit dem Schöcker-Dienst. Aber Spaß beiseite, es ist ja wirklich so, das muss ja erlebbar sein. Wieso soll das nur, wir haben über das Thema China gesprochen, wo vieles möglich ist nebeneinander her, viele Mobilitätsgedanken und Systeme. Warum ist das hier nicht möglich in einer Stadt, wo so viel Kompetenz eigentlich ist? Wolfsburg als großer Showroom im Prinzip, wo neueste Techniken gezeigt werden, wo man… Laboren nennt man sich ja auch gerne. Ja, oder als Labor, genau. Aber dazu, da kommt zu wenig. Da kommt zu wenig, das stimmt. Und es gab ja mal, wir erinnern uns an die alte Esso-Tankstelle da unterhalb des Planetariums, die ja als eine der ersten umgerüstet wurde dann als Ladestation. Das ist ja ein winziges Mosaikstein hier. Aber sowas in der Art, das könnte die Attraktivität deutlich steigern. Und wie gesagt, wenn man dort neue Techniken erlebbar machen würde und nicht im musealen Charakter oder reinen Laborkarakter, sondern tatsächlich auf der Straße, das wäre eine coole Geschichte, na klar. Genauso cool wäre es, wenn Wolfsburg ein wirklich tolles Automuseum hätte. Also andere Städte wie Stuttgart mit Porsche oder auch Audi, BMW, die haben alle wirklich repräsentative Museen, die auch Leute anlocken und wo du natürlich auch die Geschichte deines Produkts und deiner Stadt schön und gut erzählen kannst. So was fehlt hier auch. Seit ich hier bin, fällt mir auf, dass man viel zu wenig aus seiner Geschichte macht. Wäre ein tolles Projekt für den Nordkopf gewesen. Zum Beispiel. Oder wo auch immer eigentlich. Oder am Kleversberg, im Kongresszentrum. Aber ist die Stadt zu selbstgefällig geworden? Ich sage immer noch Stadthalle. Genau, warum auch nicht? Ist die Stadt zu selbstgefällig geworden? Zu träge, zu alt, obwohl sie eine junge Stadt ist? Ja, vielleicht. Auch das ist schwer zu beantworten. Aber vielleicht auch nicht mutig genug, sowas einzufordern und mit nach vorne zu tragen. Ja, meinst du, Andrea, hast du ja mal ein paar Beispiele, was die Leute so an Gehässigkeiten von sich geben. Ja, also warte mal. Also zum Beispiel, der VfL ist ein absolutes Nichts im deutschen Fußball. Oder weg damit, bitte ein zweites Bayer Uerdingen. Oder mit Blick auf Volkswagen, Golf 8 ist ein Desaster, der Untergang steht bevor. Und so weiter und so fort. Ja, jetzt wissen wir, was die Stunde geschlagen hat aus Sicht. Jetzt wissen wir, was die Stunde geschlagen hat. Da kann man sagen, man nimmt es nicht so ernst. Aber die Vehemenz der Ablehnung. Enttäuschung ist ja auch eine Form von Liebe, oder? Aber so ist es glaube ich nicht gemeint hier in diesen Beiträgen. Ja, aber so drehst du es ja sehr schön ins Positive. Das freut mich. Das freut mich. Ja, also ich glaube, um das Thema mal konkret anzugehen, ich glaube schon, dass Volkswagen in dieser Phase der Markteinführung des Golf 8 auch wirklich viel Vertrauen verspielt hat. Weil das war immer Solidität, Seriosität, Wiederverkaufswert. Das waren immer so die typischen VW-Themen. Und da hat man es dann ganz schön schleifen lassen. Und ich glaube, das kann sich eine Marke wie VW dann auch tatsächlich nicht erlauben. Ja, es ist schwierig. Das war ja alles noch so die Wirbelschleppe von Dieselgate mit Switchen auf E-Mobilität, ID.3. Parallel dazu der Golf 8, da ist ja einiges durcheinander geraten. Ja, diese Skandale, sagen wir mal subsumierend, die Skandale von Volkswagen haben die auch dazu beigetragen, dass das abfärbt auf Stadt und alles, was da damit zusammenhängt. Ja, das glaube ich schon. Also Dieselgate merke ich doch, das wirkt sehr lange nach und da wird man immer wieder darauf angesprochen. Ist ja auch nicht der einzige Skandal. Nicht der einzige Skandal, ich wollte es jetzt sagen, zum Beispiel auch das, was wir unter Betriebsratsaffäre bezeichnen, auch das ist ein Punkt, auf dem man außerhalb Wolfsburgs immer wieder darauf angesprochen wird. Und das wirkt nach, ja, keine Frage. Also ist Volkswagen letztendlich auch verantwortlich, stark verantwortlich und muss sich dessen bewusst sein, wie es das Image von Stadt und Menschen eigentlich auch mitbestimmt durch derlei Geschichten. Ja, eigentlich sollte das Bewusstsein da sein. Also keine Frage. Das heißt ja, im Umkehrschluss ist es ja sehr oft, auch in der Republik zu werden, das ist doch ein ganz großer Sauhaufen da. Die verdienen alle zu viel. Die machen sowieso, was sie wollen. Ich glaube, das ist ein bisschen auch das Problem geworden in den vergangenen 20, 30 Jahren. Ja, das ist mit Sicherheit ein Problem. Auch das Gefühl außerhalb der Stadt oder außerhalb der VW-Region, das haben wir ja hier in Braunschweig oder in Salzgitter durchaus auch. Und diese VW-Familie. Aber außerhalb merke ich schon, dass es da mitunter großes Kopfschütteln gibt über die Dinge, die da in Wolfsburg passieren. Ich kann mich noch erinnern, da bin ich bei mir im Dorf, in dem ich jetzt lebe, angesprochen worden, mehrfach auch, als die Nachtschichten abgeschafft wurden in Wolfsburg, gab es ja dann eine Vereinbarung vom Betriebsrat eingefordert, dass die Leute, die in Nachtschicht gearbeitet haben, ursprünglich dann ein Jahr lang noch die Nachtschichtzuschläge bekommen, zwar abschmelzend, obwohl sie gar nicht mehr in Nachtschicht arbeiten. Und da frage ich mich, das muss man natürlich mal jemandem erklären, der vielleicht im Winter schlecht Wetter hat oder so. Also da ist mir großes Kopfschütteln begegnet. Das versteht man dann nicht mehr. Also warum gibt es Geld für Arbeit, die nicht geleistet wird? Also ein altes Problem. Warum ist der Bäcker in den 50er Jahren zu Volkswagen gegangen? Ja, also das war ein großes Thema früher. Du hast eine Ausbildung irgendwo gemacht und dann hast du gesehen, dass du zu Volkswagen kommst, weil du besseres Geld verdient hast. Jetzt dreht sich die ganze Geschichte ein bisschen. Wir wissen ja, dass mancher Handwerksbetrieb sagt, die wollen gar nicht mehr zu VW, die kommen erst mal zu uns. Genau. Und auch das ist mir mal aufgefallen in Gesprächen. Ich kann mich erinnern, vor Jahren war ich mal bei einer Geschichte. Da ging es um Auszubildende. Und da habe ich auch gefragt, warum bist du denn bei Volkswagen? Und da kam eigentlich nicht viel, da kam nur, das ist ein sicherer Job. Aber es wurde nicht deutlich, dass es vielleicht noch eine andere Motivation gab. Und so eine Art, Beamtenstatus, finde ich, sollte dann nicht erstrebenswert sein. Oder das kann nicht das treibende Argument sein. Gibt es dann ein Weiterleben für Wolfsburg ohne Volkswagen? Das wird, naja. Also sagen wir mal mit weniger Volkswagen. Ja, natürlich wird es das geben. Und ist das dann immer noch eine lebenswerte Stadt? Das liegt ja an den Stadtverantwortlichen und an den Menschen, die dort leben. Also da würde ich immer sagen, da muss jeder mal auf seine eigene Scholle gucken und dazu beitragen, dass es lebenswert bleibt und vielleicht auch wieder lebenswerter wird. Also wenn ich mir, wie gesagt, die Porsche-Straße angucke, das finde ich schon gruselig. Und dann kann sich auch jeder einzelne fragen, was trage ich dazu bei, den regionalen Handel zu unterstützen, mal in die Stadt zu gehen, nicht den Müll fallen zu lassen und so weiter und so fort. Das sind ja oft ganz banale Dinge. Und wenn wir den nächsten nicht mal mehr am Samstag Bundesliga-Fußball sehen können, dann wird es ja ganz bitter, oder? Aus meiner Sicht schlagen da zwei Herzen in meiner Brust. Natürlich wäre ein Abstieg eine Katastrophe, absolut. Ich habe aber auch tolle Zeiten in der zweiten Liga erlebt und in der dritten Liga erlebt. Und es gibt diesen Spruch, der Verein sucht sich seine Fans aus. Und wenn man ein richtiger Fan ist, dann steht man halt auch in einer anderen Liga zu seinem Verein. Und auch da würde ich sagen, liegt es an den Wolfsburgern dafür zu sorgen, dass der VfL weiterlebt, dass die Stadt weiterlebt und dass sie eine gute Zukunft haben. Das gilt übrigens auch mit Blick auf Volkswagen. Weniger ist manchmal mehr. Weniger kann mehr sein, ja. Das muss man sich nur bewusst sein. Hast du eine Idee, wie Wolfsburg, Volkswagen, VfL lassen wir mal außen vor, so in 15, 20 Jahren positioniert sein wird? Kannst du dir das vorstellen, so aus Sicht des Wirtschaftsredakteurs, realistisch betrachtet? Also, ich gehe davon aus, dass Volkswagen schon wieder zu einer neuen Stärke findet, wenn auch deutlich abgespeckt und ich hoffe, auf kluge Entscheidungen auch im Rathaus, die Stadt wirklich dann entsprechend weiterzuentwickeln und damit meine ich nicht. Und ich glaube, auch das stößt außerhalb Wolfsburgs manchmal an. Du hast es angesprochen mit Kunstmuseum und anderen Dingen. Es gibt ja durchaus so einen Wolfsburger Gigantismus, dass manche Dinge einfach überdimensioniert sind. Wobei ich immer sage, eigentlich sollte man sich ja freuen, wenn es tolle Einrichtungen gibt in der Stadt, aber es da nicht zu übertreiben, sondern die Stadt wirklich auch immer der Bevölkerung anzupassen und ich weiß nicht, ob es so gut ist, ständig Baugebiete auszuweisen oder neuen Wohnraum zu schaffen, wenn ich doch weiß, dass da tausende Menschen. Vorzeitig in den Ruhestand gehen und man gar nicht davon ausgehen, ob denn wirklich alle auch in der Stadt bleiben. Denn die, die nicht dort aufgewachsen sind, tun sich ja nach wie vor schwer mit Wolfsburg. Den fehlt ihr, oft höre ich das zumindest, ihre vertraute Umgebung, die sie eben auch noch aus ihrem Kindheit, Jugend kennen. Also wichtig, umparken im Kopf, wie es die Werbung eines Mitbewerbers mal formuliert hat. Ja, umparken im Kopf, na klar. Also anders geht es ja gar nicht. Man muss die Planung immer wieder anpassen und dann, wie gesagt, dafür sorgen, auch mit Blick auf die Finanzen, dass alles finanzierbar bleibt und dass auch trotzdem die Stadt lebenswert ist. Aber natürlich wird Wolfsburg eine Zukunft haben. Warum denn nicht? Wie siehst du das denn? Also ich denke, sie wird sich darauf einstellen müssen. Es wird schwierig. Wir sehen ja, wie schwierig es ist, vom Auto wegzukommen. Ich wünsche mir genau das, was ich vorhin schon angesprochen habe, dass das eine Modellregion wird, die wirklich vernetzte Mobilität lebt und nicht nur predigt irgendwo an anderen Orten, dass man das erfahren kann, erleben kann, dass die Leute sagen können, die haben es gebacken bekommen. Das kann ich mir angucken. Ganz, ganz wichtig, dass es erlebbar wird. Und wenn ich mit der Bahn fahren will oder mit der verlängerten Straßenbahn zwischen Braunschweig und Wolfsburg, dann muss das möglich sein in so einer Region. Wenn ich mit dem Auto fahren will, dann muss es entsprechende intelligente Angebote geben, ohne dass man ein eigenes Auto hat. Und ich finde, davon sind wir leider noch weit entfernt. Wir sollten von unserem ureigensten Thema, der Mobilität, die sollten wir hier wirklich mal neu denken und auch zeigen. Das ist mir alles viel zu akademisch, ehrlich gesagt. Da gibt es bestimmt super Ansätze, aber ich finde, man sieht davon zu wenig. Du hast ja nun sehr, sehr lange in Wolfsburg gearbeitet, auch in Wolfsburg gelebt, in einer Porsche-Straße, sehr zentral gelebt. Zentraler geht es gar nicht. Wenn du jetzt heute mit einem Gast. Der nicht aus Wolfsburg kommt, der nicht aus der Region kommt, nach Wolfsburg fahren würdest, welchen Punkt würdest du zuerst mit ihm ansteuern oder ihr? Ja, ich wäre schon damals ganz gern, hätte ich ihm meine kleine Dachwohnung in der Porsche-Straße gezeigt, weil ich finde, angesichts der Bedeutung dieser Stadt, sie hat ja eine unglaubliche Bedeutung als Konzernhauptstadt, ist sie wirklich eine Kleinstadt mit durchaus angenehmen Wegen, sagen wir es mal so. Natürlich kann man die üblichen Sehenswürdigkeiten zeigen, sollte man auch. Man sollte auch die vielen grünen Gebiete in Wolfsburg zeigen. Oder eine meiner Lieblingsecken ist ehrlich gesagt, wenn man sich Richtung Westen bewegt, die kleinen alten Siedlungsstraßen gegenüber dem vom Werk. Das atmet noch so diese Zeit der 50er, 60er Jahre. Der Aufbaujahre. Der Aufbaujahre. Also man muss da wirklich auch mal der Stadt die Chance geben, dass man sie erläuft zum Beispiel, die nur erfährt. Das ist ja auch in Wolfsburg möglich. Und ansonsten, ich meine, Werk, Stadion, VW-Bad, das alles spricht für sich. Aber es ist auch eine ganz normale Stadt irgendwo. Und das muss man Wolfsburg auch zubeligen. Und das ist der Vorteil eben, dass in einer überschaubaren Großstadt, in einer kleinen Großstadt, ein riesiger Konzern mit einer unglaublichen Ausstrahlung beheimatet ist. Und das ist ja auch keine Selbstverständlichkeit. Ich spreche es nochmal wieder an, das Thema Wolfsburg muss eine Konzernzentrale in Berlin haben oder sonst wo, das ist ja nicht aus der Luft gegriffen. Das gab es ja immer wieder. Gab es immer wieder, fände ich grundverkehrt, sondern man sollte Wolfsburg wirklich als Unikat begreifen und auch als solches wertschätzen, finde ich. Ich finde, man kann auch in der Region durchaus mal mit ein bisschen Stolz auf diese Stadt und ihr Werk und ihren Verein gucken. Genau. Übrigens Leute in meiner, ich wohne ja im Südharz, da sieht man das völlig ohne Heme, den VfL. Da sind die Leute gern hingefahren, weil es... Die Möglichkeit war, Bundesliga-Fußball in der Nähe zu sehen. Und das, finde ich, ist eine fairer Betrachtungsweise. Ja, und bei mir aus dem Dorf fahren die Leute zum Beispiel gerne ins Outlet nach Wolfsburg und gehen danach nochmal durch die Porsche-Straße oder in Wolfsburg essen und berichten mir regelmäßig, wie schön sie das finden. Siehst du, das ist wunderbar. Da lacht dein Herz als alter Wolfsburger. Da lacht mein Herz als alter Wolfsburger, genau. Ja, und jetzt in der nächsten Folge, da wollen wir ja weit rausspringen aus Wolfsburg Richtung China und ich freue mich schon auf das Gespräch mit dir, Thomas. Ja, vielleicht bekommen wir da einige befruchtende Ideen auch zusammen. Auch für Wolfsburg. Auch für Wolfsburg. Vielen Dank. In diesem Sinne, macht's gut. Macht's gut. Tschüss.