Latest / SchichtZulage - der persönliche VW-Podcast mit Mehrwert / VW und die Rüstung - Wirtschaftlicher Zwang oder moralische Grenze?
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- Sobald der erste scharfe Wind weht, ist man bereit, alles Mögliche aufzugeben und auch zu machen. Das ist nur für Jobs. Und darüber muss man ja streiten. Wir sind ja kurz davor, wir beide jetzt hier. Wenn man in den Technologiebereich geht, was machen wir, was liefern wir? Und überheben wir die Hände hinterher und sagen, wissen wir nicht, wo das landet? Das ist ja eigentlich immer so gewesen. Ja Thomas, ist das Dankbarkeit? Jetzt haben wir uns in den letzten beiden Folgen so für den VfL Wolfsburg eingesetzt. Da sind sie doch gegen Leverkusen glatt nur 3 zu 6 untergegangen. Ich finde schon, die Aufbauarbeit hat sich wirklich gelohnt. Es waren deutlich erkennbare Leistungssteigerungen. Also der Wilde war, wie man so schön sagt, der war unverkennbar da. Ja genau, vor allem in der Verteidigung. Ja, es ist eigentlich hinten wie vorne, links wie rechts, das macht alles Hoffnung, finde ich. Nee, wir wollen nicht sarkastisch werden. Ich weiß nicht, wie viele Spiele noch sind. Sechs, glaube ich. Sechs? Ehrlich, so wenig? Dann wird es aber knapp. Es wird ja knapp, ja. Aber wir bleiben Optimisten. In einer Welt voller Feinde müssen zumindest wir Optimisten bleiben. Genau. Ich habe dir hier übrigens so eine Art symbolischen Wimpeltausch. Und habe ich dir etwas ganz Schönes mitgebracht, dass alle Wolfsburger und auch VfL-Fans, finde ich, auch wenn das Wappen fehlt, doch vereint. Dieser kämpferische, wild aussehende Wolf im Stadtwappen im Alpen. Ja, beißt der gerade einen Löwen weg? Weiß ich gar nicht. Ja, der Löwe ist schon aus dem Wild verschwunden. Ich möchte dir das mal überreichen. Gucken wir uns mal an. Ich finde es wunderschön. Das ist ja noch sehr ursprünglich. Danke. Ja, gerne. Das ist ein Erdenplatz bei mir in meiner Wolfsburg-Sammlung. Vielen Dank. Ja, Verteidigung war eben ein Stichwort, darüber wollen wir heute sprechen, im erweiterten Sinne Rüstung und Volkswagen. Das ist ja ein Thema, was so relativ aus dem Nichts aufgeploppt ist, aber doch dann sehr schnell Gewicht bekommt. Zwar gibt es jetzt keine Panzer made by Volkswagen, aber doch Überlegungen, möglicherweise das Geschäft etwas auszubauen. Und die Porsche Holding, die ja die VW-Aktien hält, will ja da richtig einsteigen in den Rüstungssektor. Du sagst es. Wir müssen den Blick Richtung Salzburg richten. Das ist ja mehr oder minder, wie auch schon oft an dieser Stelle gesagt, ein Investmentunternehmen, das also ohne Scheu und ohne moralische Scheuklappen auch nach Investitionsmöglichkeiten und Beteiligungsmöglichkeiten guckt. Und offenbar ist man da auch nicht mehr sonderlich geschichtsbewusst in Salzburg und hat eben, wie gesagt, keine Berührungsängste, sich jetzt auf diesem Feld zu tun. Ja, man sagt ja sogar, Europa muss einen Beitrag leisten und das Kapital für die Verteidigung Europas soll aus Europa kommen. Man gibt sich da also so einen pazifistischen Anstrich, sagt aber natürlich auch, wie du es eben angedeutet hast, es ist ein lukrativer Markt, auf dem es sich lohnen könnte, aktiv zu werden. Ja, das wissen wir ja mittlerweile seit Jahrzehnten, dass Europa nicht nur am Hindukusch verteidigt wird, sondern eigentlich überall auf der Welt. Das ist das Narrativ, dem man jetzt bereitwillig folgt. Ich möchte an dieser Stelle gerne mal fünf, sechs Jahre zurückblenden. Da sieht man nämlich, was für Wendehälse auf Managerposten sitzen und auch bei Investoren. Vor sechs, sieben Jahren war die Nachhaltigkeit das große Thema. Da konnte es gar nicht nachhaltig genug sein, jedenfalls verbal. Und so schnell ändern sich die Zeiten. Ich habe mal gelesen, dass ja sogar bestimmte Rüstungsindustrien als Nachhaltigkeitsindizes auftauchen. Also so weit ist es gekommen. Und ich finde die ganze Entwicklung abscheulich, muss ich ganz ehrlich sagen. Und gerade in Bezug auf Volkswagen ist es doppelt bitter. Wenn man ein bisschen in der geschichtlichen Ursuppe herumrührt, dann wissen wir, dass das ganze Kapitel ja mit Rüstungsproduktion angefangen hat. Genau, statt Volkswagen. Und dass man da jetzt... Ohne großartig nachzudenken. Es betrifft ja eigentlich nicht nur Salzburg und die Eigentümerfamilie. Es betrifft ja auch Bürgermeister und Verwaltung. Und in unserer Region, die sind ja alle plötzlich, haben die ja keinerlei Hemmungen, das zu denken, was man Jahrzehnte nicht gedacht hat. Ja, das stimmt. Also kommen wir ja gleich nochmal drauf, die Überlegung in Wolfsburg. Ich meine, VW offiziell selbst, Konzernchef Blume hat ja gesagt, wir werden den Bereich des Transports nicht verlassen. Also das gibt es ja schon seit vielen Jahren, dass Volkswagen-Modelle militärisch genutzt werden, also die Autos werden genommen und dann von Rüstungsunternehmen zurechtgemacht. Aber er hat auch gesagt, denkbar wäre der Einsatz von Volkswagen-Batterien, die jetzt produziert werden, in Drohnen. Also eine kleine Erweiterung gibt es ja schon. Und wer weiß, was noch alles kommt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, um dann doch noch Geschäfte zu machen. Das Schlimme ist ja, wir stehen ja erst am Anfang dieser Entwicklung. Und diese Argumentation, die hat man ja auch 1939 bis 1945 erlebt. Also nicht die Argumentation, aber die tatsächliche sind da damals auch Fahrzeuge produziert worden, Kübelwagen, Schwimmwagen und dergleichen mehr. Ja, Bomben, Flugzeugteile in Wolfsburg. Talamin, Panzerfäuste, all das ist produziert worden. Und für mich ist diese ganze Diskussion, die sich hier seit einigen, ein, zwei Jahren auftut, dieses dermaßen Geschichtsvergessen allgemein. Das betrifft nicht nur Volkswagen, dass ich wirklich entsetzt bin, was möglich ist, innerhalb kürzester Zeit. Das Narrativ ist vorbereitet worden, Zeitenwende dergleichen mehr. Und ja, dann ist es natürlich nur noch folgerichtig, dass man auch in Rüstungsindustrie investiert. Also es gibt ja tatsächlich eine Zeitenwende, das lässt sich ja nicht leugnen und dass das Verhältnis zu den USA auch schlechter wird, ist ja nun im Sause-Schritt zu beobachten. Da könnte man ja auch ganz pragmatisch rangehen und sagen, naja gut, also wer soll uns verteidigen, wenn nicht wir im Ernstfall? Ja, aber ich glaube, das ist schon angesichts der Konstellation, die wir hier im östlichen Europa haben, ist das schon eine sehr, sehr diffizile Frage. Und was mich dabei stört, ist wirklich, dass man einen Verteidigungsaspekt, der ja jahrzehntelang eigentlich keine Rolle mehr gespielt hat. Weil wir uns auf die USA verlassen haben. Ja, sicherlich. Weil wir uns vielleicht ein bisschen auch auf Diplomatie verlassen haben. Auf Verträge, die es gab, die jetzt gekündigt worden sind, einseitig. Nach der Wende, ja. Und das Thema Diplomatie ist völlig in den Hintergrund geraten. Es gibt keine fähigen Parteien, die moderierend hier in Europa wirken könnten. Das ist das wirklich Erschütternde. Und wenn man dann die Ultima Ratio sieht, darin sieht, dass man, ja, was heißt Verteidigung? Wo verteidigen wir Europas Grenzen? Ist das Polen? Sind das die polnische Grenze? Ist das die ukrainische Grenze? Ist es im Hindukusch? Ist es im Iran? Also ich finde, wenn wir dieses Fass aufmachen und das alles unter Verteidigung subsummieren, dann brennt die Erde unter uns bald. Da bin ich felsenfest von überzeugt. Wo sollten wir denn die Grenze ziehen, deiner Meinung nach? Wir sollten erstmal versuchen, eine gemeinsame europäische Verteidigungsstrategie und auch Verteidigungsindustrie mit Betonung auf Verteidigung setzen und, Dann wird man sehen, wie sich die Sache weiterentwickelt. Also erst mal die Einheit Europas, da wäre ich ja total bei dir. Naja, das ist ja unabdingbar. Die existiert ja nicht, die existiert ja nur auf dem Papier. Und das Thema Ausdruck und VW muss man natürlich erst mal Gott sei Dank historisch betrachten. VW hat sich in der Beziehung in den vergangenen Jahrzehnten wenig zu Schulden kommen lassen. Man hat da keine Berührungspunkte gehabt, bis auf Beteiligungen, die man abgestoßen hat. Und das Verkaufen von entsprechenden Fahrzeugen. Gut, das ist natürlich, jedes Fahrzeug kann umgebaut werden. Die Toyotas fahren in Afrika herum, Maschinengewehr bestückt oder mit noch schlimmeren Tötungsmaschinen. Ja, klar. Dagegen kann man sich nicht wehren. Aber wenn man jetzt sozusagen als Investor Porsche Holding wirklich konzentriert versucht, Profit mit Rüstungsbeteiligung zu machen, dann finde ich, ist das ein Dammbruch. Und den kann man nicht einfach so hinnehmen. Und da ist auch das alte Lied, da ist sicherlich nicht das Management zuerst gefordert, das sind Angestellte, sondern da ist die Gewerkschaft gefordert, ist auch der Betriebsrat gefordert zu sagen, diese Grenze überschreiten wir nicht. Also ich kann diese Sonntagspredigten, die kann ich wirklich nicht mehr hören. Und wenn es dann zum Schwur kommt, alles für die Jobs, dann ist jeder Job genauso gut wie der andere. Und das vermag ich nicht zu akzeptieren. Aber jetzt bei der holding später die gewerkschaft im betriebsrat keine rolle nein aber der aufsichtsrat muss ja schließlich auch entscheidende zustimmung leisten und das ist der punkt ja das thema rüstung und volkswagen ist übel beleumundet geschichtlich man sollte das sehr genau abwägen was man da macht, Und Optionen, speziell geht es ja um das Werk Osnabrück auch. Die Zeit läuft ja, 2027 steht die Entscheidung an. Ich denke mir, es müsste da andere Lösungen geben, als eine rüstungstechnische Lösung. Und das muss auch im Sinne des Landes sein, des Landes Niedersachsen. Aber das ist natürlich auch ein bisschen idealistisch gedacht, da gebe ich dir gerne recht. Ja, also wir waren ja eben beim Thema Europa, Geschlossenheit Europas. Aber nochmal die Frage, also ganz ohne Rüstung wird es ja nicht gehen, ganz ohne eigene Streitkräfte. Wir leben ja bisher auch nicht ohne Rüstung. Das ist ja nicht so, dass wir plötzlich aus dem Zustand, aus dem paradiesischen Zustand der Rüstungslosigkeit wechseln. Ja, aber wir haben bis vor kurzem ohne Wehrpflicht gelebt, zum Beispiel. Also wir haben das ja stark runtergedimmt, das Thema. Das ist richtig. Und auch die Rüstungsausgaben waren vor dem Mauerfall ja bedeutend höher als heutzutage. Ja, aber genau diesen Zustand wollen wir ja auch alle nicht wiederhaben, dass wir ein sozusagen auch geteiltes Europa haben in Ost und West und einen eisernen Vorhang dazwischen. Und deshalb sage ich nochmal, für mich sind die diplomatischen Möglichkeiten überhaupt nicht angedacht worden, reell und auch bei Weitem nicht ausgereizt worden. Und wir haben es zugegeben mit einem US-Präsidenten zu tun, der sich wie ein Mobster auf der Straße benimmt, also wie ein Totschläger und sich nimmt, was er haben will. Das ist natürlich eine Ausgangslage, die wir so noch nicht gehabt haben, da gebe ich dir recht. Die ja auch vergleichsweise überraschend kam, ja. Vielleicht hätte man sich schon einiges denken können. Aber gut, ist ja egal. Der Wähler in den USA hat ihn ja gewollt. Und jetzt müssen wir mit ihm leben. Und manche müssen mit ihm sterben. So ist das eben. Aber das ist eben in der Tat vermientes Gelände, auf dem wir uns bewegen. Also um auf Volkswagen zurückzukommen, ich finde das ein bisschen fahrlässig. Sobald der erste scharfe Wind weht, ist man bereit, alles Mögliche aufzugeben und auch zu machen. Das ist nur für Jobs. Ich sage wirklich nur für Jobs. Was sind das für Jobs, die bei der Name sind? Du meinst jetzt die Arbeitnehmervertreter. Ja, aber ich meine auch grundsätzlich, also wer regt sich der Widerstand hier in Wolfsburg in der Umgebung? Am Wochenende war eine Schar von Aufrechten, das waren sieben, acht Leutchen, die haben in Wolfsburg demonstriert dagegen. Darunter angeblich auch ein paar VW-Beschäftigte. Aber das ist alles. Und ansonsten fürchte ich, würde diese Mobilmachung überall mitgemacht. Ja, weil man darin natürlich wirtschaftliches Potenzial sieht, ganz klar. Darüber muss man ja streiten. Wir sind ja kurz davor, wir beide jetzt hier. Nee, überhaupt nicht. Ich habe ja auch keine Antworten parat. Ich finde das nur, das geht mir alles entschieden zu schnell und zu diskussionslos. Das macht mir wirklich Angst. Da entsteht ja eine Dynamik, deren Ende wir nicht kennen. Da gibt es ja kein Stoppsignal, das man setzen kann. Ja klar, das stimmt. Das muss es natürlich geben und es muss Grenzen geben. Und es muss ganz klar definierte Grenzen geben. Und ich bin ganz bei dir, wenn du sagst, wir brauchen ein geeintes Europa, um das Thema zu beherrschen. Ja, das ist ja auch eine Schablone, das vereinte Europa. Aber das ist es ja. Wir müssen ja eine gemeinsame außenpolitische Sicht der Dinge entwickeln. Gilt übrigens auch für die wirtschaftspolitische Sicht. Die ist ja auch zersplittert. Und dann muss man sagen, was man will, was man dafür investieren will. Und auch, welche Ziele man hat damit. Diese Diskussionen sind ja vor 50 Jahren erbittert geführt worden. Das wissen wir alle noch. Es war selbst auf der persönlichen Ebene Zivildienst oder Bundeswehr. Da hat es ja erbitterte Auseinandersetzungen in den Familien gegeben. Und die hat es jetzt natürlich Ewigkeiten nicht mehr gegeben. Und jetzt kommt das Thema direkt wieder. Auf meine jüngsten Söhne wird das zukommen. Auf dich kommt es ja gerade. Genau. Ja, wirtschaftspolitisch kommen wir da irgendwie nicht näher an Volkswagen an im Augenblick. Das ist so, die Entscheidung ist nicht gefallen. Aber du bist schon der Meinung, dass Volkswagen jetzt bei der Aussage, die Blume getätigt hat, bleiben sollte. Also es gibt Fahrzeuge aus dem Konzern, die militärisch genutzt werden, weil sie von anderen Unternehmen dann gekauft werden und zurechtgemacht werden, aber mehr nicht. Na gut, das sind ja Dimensionen, die jetzt nicht entscheidend sind. Im wahrsten Sinne des Wortes, nicht kriegsentscheiden. Nur angesichts der Kriegführung, wie wir sie jetzt auch erleben, in der Ukraine und auch im Iran, dieser klinischen Antiseptischen scheinbar, wo uns Bilder serviert werden, ja gut, da ist irgendwas in die Luft geflogen, vielleicht sind auch 20 Menschen drunter. Da sehen wir ja, dass das ein hochtechnologischer Krieg ist. Wo die eigentlichen klassischen Kriegswaffen eine untergeordnete Rolle spielen. Und da wird es natürlich schon sehr, sehr schwammig, wenn man in den Technologiebereich geht, was machen wir, was liefern wir und überheben wir die Hände hinterher und sagen, wissen wir nicht, wo das landet. Das ist ja eigentlich immer so gewesen. Ja. Wo die Sachen letztendlich gelandet sind, dieses Dual-Using heißt das, glaube ich. Du kannst es fürs Positive, du kannst es aber auch fürs Negative nutzen. Und da kann man sich natürlich einen schlanken Fuß machen und sagen, weiß ich doch nicht, wo das landet letztendlich. Also bräuchte das Unternehmen aus deiner Sicht klarere, interne Richtlinien? Ich glaube, das Unternehmen braucht einfach wieder nachhaltigen Erfolg in seinem Kernbereich. Und dann brauchen wir natürlich auch eine vielleicht mal moderatere Renditeerwartung in Salzburg. Man kann natürlich nicht permanent für seine eigenen Investitionstätigkeiten hier Belegschaften unter Druck setzen. Immer wieder, immer weiter. Und am Ende des Tages investiert man in was weiß ich was. Darauf hat ja keiner hier in der Gegend richtig Einfluss, muss man ja auch sagen. Da muss man vielleicht noch mal kurz für die erklären, die es jetzt nicht sofort parat haben. Die Porsche Holding ist ja angewiesen auf die Dividenden und finanziert ja aus den Dividenden ihre Investments im Wesentlichen. Und das erhöht natürlich den Druck auf Unternehmen wie Porsche und vor allem Volkswagen. Ja, das ist so. Aber dieser Druck kann nicht unendlich ausgeübt werden. Wie gesagt, man muss jetzt Erfolg in seinem Kernbereich haben. Dann hätten wir diese Diskussion wahrscheinlich gar nicht. Und ich erinnere immer wieder gern daran, mit welcher Empörung man die Vorschläge dieser zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen Mobilwendeaktivisten hier beiseite geschoben hat, ohne mit der Wimper zu zucken und wenn es darum geht in Rüstung zu konvertieren, dann sind sie alle sofort dabei. Das ist für mich entsetzlich, diese Geisteshaltung. Du hast ja eben schon gesagt, du würdest dir da auch mehr Widerstand wünschen aus Richtung Gewerkschaft und Betriebsrat. Natürlich muss das diskutiert werden. Es wird zum Beispiel überhaupt nicht, wenn es um Vergangenheitsbewältigung geht, wird überhaupt nicht diskutiert bei den öffentlichen Veranstaltungen, wer waren die Profiteure, wer waren die Mittäter. Da geht es immer jetzt nur noch um Opfererwähnung, was wichtig genug ist. Aber es geht nie darum, Erfahrungen und Konsequenzen zu ziehen. Wer profitiert von solchen Situationen? Das war ja auch damals schon das Haus Porsche-Pierich. Die sind ja am Ende des Krieges, während andere noch verreckt sind an der Elbe, sind die mit 10 Millionen, dem letzten Gewinn des Jahres 1944, nach Süddeutschland abgewandert. Und haben das letztendlich dafür genutzt, ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Also selbst der ansonsten sehr wohlwollende Porsche-Biograph sagt. Ferdinand Porsche war ein Opportunist reinsten Wassers. Der hat jede Gelegenheit genutzt, und es war ihm moralisch völlig egal von wem, sein Familienunternehmen aufzubauen. Und mit dieser Haltung schafft man Staaten, wie wir sie gesehen haben. Und das muss in die Köpfe der Leute. Und die Folgen natürlich auch, die sichtbaren Folgen. Ja, natürlich, klar. Die vielen zigtausend Zwangsarbeiter, die Folgen der Kriegswirtschaft und so weiter. Das ist ja ein paar Ardebeispiele. Du kannst ja am Beispiel Volkswagen, es gibt auch genügend andere, das sei der Fairness halber auch gesagt, kannst du ja durchbuchstabieren, wie Abhängigkeiten geschaffen werden, wie Gefolgschaft geschaffen wird und wie auch Erfolg geschaffen wird. Der Erfolg von Ferdinand Porsche hängt unmittelbar zusammen mit dem Starkwerden des Nationalsozialismus. Unmittelbar. Und sowas bräuchten wir schon längst in Wolfsburg. Das ist meine feste Überzeugung. Aber wir haben es nicht. Wir haben es nicht. Und es ist ja, wir haben eben schon darüber gesprochen, es ist ja in den vergangenen Jahren spielte ja das ganze Thema Rüstung, Verteidigung, militärische Konflikte hier zumindest in unserem Breitengraden überhaupt keine Rolle. Das haben wir ja alles nur aus der Ferne beobachtet und haben uns eben auf die bestehenden Verhältnisse in der Welt verlassen. Und das funktioniert nicht mehr. Ja, wir waren ja auch auf einem ganz anderen Weg, auch aus Volkswagen-Sicht. Wir haben das Werk in Kaluga wurde gebaut. Es gab entsprechende wirtschaftspolitische und politische Begleitveranstaltungen, auch in Wolfsburg. Das alles ist abgebrochen und diesen Faden muss man natürlich, ob man will oder nicht, muss man den wieder aufnehmen. Also wir müssen einen Trump erdulden und wir müssen auch einen Putin erdulden und wir müssen natürlich auch in gewissen Bahnen mit ihm politisch und wirtschaftspolitisch zusammenarbeiten. Das ist ja wohl völlig klar. Ansonsten gibt es keine Lösung. Die andere Lösung ist Krieg. Ja, das wollen wir alle nicht. Ja, Thomas, bei der Porsche Holding, da sind ja die Würfel gefallen. Die investieren im Rüstungssektor. Das ist ja klar formuliert, bei Volkswagen nicht so, also nicht in dieser aktiven Rolle. Wie siehst du das? Soll Volkswagen eher pragmatisch vorgehen und gucken, wo ist zusätzliches Geschäft möglich? Oder sollen sie doch eher moralisch getrieben argumentieren und sagen, nein, wir haben unsere Grenzen und dabei belassen wir es. Also Volkswagen ist in meinen Augen immer noch ein Symbolunternehmen, nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa und es hat auch eine Vorbildfunktion und ich würde mich freuen, wenn man in dieser Beziehung sehr, sehr stark und klar bleiben würde. Und hat Volkswagen nicht auch deshalb eine Vorbildfunktion, weil es ja, weil immerhin das Land Niedersachsen, also die öffentliche Hand, Großaktionär ist, Ankeraktionär ist, mit einer Sperrminorität. Also das ist halt kein Unternehmen wie jedes andere. Ganz genau. Das ist so. Und deshalb hat man auch diese Chance, wirklich Pflöcke einzurammen, politischer Natur. Und das erhoffe ich mir eigentlich auch, dass man jetzt nicht nachgibt, die Ungunst der Stunde nutzend und neue Rüstungsstandorte auch hier in Niedersachsen eröffnet. Und ich glaube schon, dass Volkswagen da auch eine Chance hätte zu sagen, nein, das wollen wir nicht. Wir wollen erfolgreich sein in unseren Geschäftsfeldern und dann kommt es auch den Leuten, den Menschen und den Regionen, in denen wir präsent sind, zugute. Dann bräuchte der Vorstand aber auch Rückendeckung aus dem Aufsichtsrat, also vor allem von den Vertretern des Landes und auch vom Arbeitnehmerflügel. Oder sehe ich das falsch? Nein, das wäre wünschenswert. Aber aufgrund der geschichtlichen Hintergründe ist es ja zumindest zu erwarten vom Arbeitnehmerflügel, dass man da klare Kante zeigt. Und sagt, nee, das ist mit uns nicht zu machen, das wollen wir nicht. Naja, und die Gewerkschaft betont ja auch immer wieder, der Aufbau von Volkswagen, also Kraft durch Freude, ist ja im Prinzip finanziert worden mit enteignetem Kapital der freien Gewerkschaften während der NS-Zeit. Ja, man hat da wunderbare Argumente an der Hand und kann sagen, genau das wollen wir nicht. Nutzt euren Einfluss, den ihr habt, auch den Einfluss auf die Politik natürlich, das wollen wir aber nicht vergessen. Es geht ja nicht nur um Einfluss bei Autogipfeln, sondern man hat ja auch ansonsten ein gewichtiges Wörtchen mitzusprechen. Das würde ich mir in diesem Fall wünschen, weil wir sind an der Wegscheide. Wir können sagen, jawohl, wir stürzen uns in dieses Abenteuer, totale Aufrüstung oder wir gehen das Ganze eben mit Augenmaß auf europäischer Ebene an. Wirklich in einem Verbund mit einer Stimme. Das ist natürlich sehr, sehr schwer, aber es ist das Unterfangen wert, finde ich. Und Volkswagen wäre ja dann auch ein Beispiel für die Glaubwürdigkeit oder eben auch nicht der Politik. Ja, absolut. Und die Wankelmütigkeit oder auch nicht der Politik. So sieht es aus. Aber vielleicht ist das Ganze auch, ich hoffe es nicht, aber vielleicht ist es auch nur Wunschdenken. Wir wollen mal das Beste in diesem Fall hoffen. Was meinst du denn? Wie optimistisch bist du? Nicht sehr optimistisch, weil alle bisherige Erfahrung lehrt das Gegenteil. Aber wir befinden uns in Zeiten, die prekär sind, sehr prekär sind, brandgefährlich im wahrsten Sinne des Wortes. Man wartet ja förmlich schon auf das nächste Pulverfass oder auf die nächste Übergriffigkeit. Und irgendwann ist halt die Zündschnur so kurz, dass dann die Kettenreaktion nicht mehr zu steuern ist. Und dessen sollten wir uns bewusst sein. Also ich meine, ich will hier keine, die Last der ganzen Welt nicht auf die Schultern von Oliver Blume oder von Frau Cavallo legen, aber sie haben natürlich schon innerhalb der Belegschaft und auch innerhalb der deutschen Wirtschaft sehr viel Einfluss und sollten vielleicht auch laut und klar sagen. Wo auch da die rote Linie ist. Und sie haben ein großes historisches Erbe. Genau, das darf man halt nicht nur am 1. Mai anführen, sondern das muss man jetzt anführen. Genau, jetzt muss es drauf ankommen. Haben wir übrigens bald den ersten Mal, eine gute Gelegenheit. Okay, bis dahin, macht's gut und lasst uns mal einen Kommentar da, wie ihr zu der ganzen Rüstungsthematik steht. Findet ihr das Unternehmen, Volkswagen sollte da pragmatisch vorgehen und gucken, wo ist Geschäft möglich? Oder sagt ihr, nein, es gibt moralische Grenzen und VW soll sich aus dem Sektor raushalten? Würde uns sehr interessieren. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal. Alles Gute. Tschüss. Bis zum nächsten Mal. Macht's gut.